Aktuelles - Details17.11.08 "Champions Trophy 2008" im TurnenDa mit dem November die "Off-Season" im Triathlon eingeläutet wurde, wollen wir den Blick über den Tellerrand wagen und auch andere Sportarten mit dem Auge eines Triathleten betrachten. Die erste Gelegenheit hatte sich vergangenes Wochenende geboten. Wir waren für euch im Rahmen des EnBW Turn-Weltcup 2008 bei der Weltprämiere der Champions Trophy im Turnen. Im Folgenden möchten wir uns kein Fachwissen aus dem Turnsport anmaßen, daher fällen wir die fachliche Bewertungen der sportlichen Leistungen aus dem Auge eines Triathleten. Am vergangenen Sonntag (16.11.08) war es soweit: Acht der weltbesten Turner traten in einem neuen Modus, der sogenannten "Champions Trophy", gegeneinander an. Fabian Hambüchen (GER), Phillip Boy (GER), Jordan Jovtchev (BUL), Hisashi Mizutori (JPN), Flavius Koczi (ROU), Maxim Devyatovskiy (RUS) und Nicolas Böschenstein (SUI) waren die Athleten, die sich im direkten Vergleich dem Sechskampf in olympischer Reihenfolge stellen mussten. Beim Betreten der Halle wärmten sich die Athleten noch auf, und vollbrachten mit spielender Leichtigkeit Übungen an den Geräten. Da Sie dies mit nacktem Oberkörper taten, hat sich bei mir der Ruf bestätigt, dass Triathleten "die eitlen Vögel" unter den Sportlern seien. Der Neid der in mir hochfuhr lies mich sofort fragen: "Was muss ich tun um so auszusehen" - Glücklicherweise war ich sicherlich nicht der Einzige Besucher der das dachte. Die Turner, allesamt von der Körpergröße her zierliche Gestalten, machten diesen Eindruck durch ein scheinbar ebenso breites Kreuz sofort zunichte. Stundenlanges Krafttraining im Fitnessstudio, tagelanges Laufen im Wald und hunderte Kilometer schwimmen in den kältesten Gewässern, würden nicht solch muskolöse und austrainierte Sportler aus uns Triathleten (zumindest aus mir) machen - Es tut weh das zu sagen ;-) Die Geräte wurden wie eben schon erwähnt in olympischer Reihenfolge absolviert. Das heisst nicht "schwimmen, radfahren, laufen", sondern "Boden", "Pauschenpferd", "Ringe", "Sprung", "Barren" und zum Schluss die Königsdisziplin "Reck". Der Champions-Trophy-Modus legt fest, dass alle Sportler in entgegengesetzter Reihenfolge der Gesamtwertung, nacheinander an den einzelnen Geräten starten. Die Startreihenfolge beim Bodenturnen wurde ausgelost, wo auch Fabian Hambüchen (GER) sofort das Losglück traf, und als letzter sein Können beim Bodenturnen unter Beweis stellen konnte. Wir wollen nicht zu sehr in die Turn-fachlichen Details der einzelnen Disziplinen verfallen, aber eines sei zu allen Disziplinen gesagt: nicht nur Triathlon tut weh! Die sichtbaren Blessuren an den Athleten nahmen von Disziplin zu Disziplin zu, und taten schon beim ansehen weh. Die Coolness die die Athleten trotz der Blessuren an den Tag legen, lassen manch schmerzverzehrtes Gesicht eines nach einem Triathlon im Schatten stehen. Während der Wettkampf für Phillip Boy (GER) eher schleppend verlief, erlaubte sich Fabian Hambüchen (GER) zunächst nur einen groben Schnitzer am "Pauschenpferd" und fiel auf Platz 5 zurück. Phillip Boy, dem das Glück nicht so Hold war, musste leider aufgrund seiner letzten Platzierung in der Gesamtwertung bei jeder Disziplin den Vorreiter turnen. Diese Platzierung behielt er leider auch bis zum Ende des Wettkampfs inne. Fabian Hambüchen (GER) startete hingegen, wie im vergangenem Jahr, eine Aufholjagd auf den ersten Platz. Aufgrund eines Patzers seines größten Konkurrenten, Hisashi Mizutori (JPN), am "Barren" gelang ihm das auch, und stand vor dem Reckfinale auf dem ersten Platz. Wie so oft entschied sich alles am Reck! Hisashi Mizutori (JPN) und Maxim Devyatovskiy (RUS) legten am Reck eine Glanzleistungen ab und machten es so Fabian Hambüchen (GER) nicht leichter. Die Spannung in der Halle war förmlich zu spüren, als sich Fabian Hambüchen für das Reck vorbereitete. Leider versagte allerdings nach einem Kolman-Salto die Griffgenauigkeit und er musste seine Übung unterbrechen - Das war's, der erste Platz war dahin. Aufeinmal stand nicht mehr der erste Platz im Fokus der Fans, anstattdessen wurde sogar um den zweiten Platz gebangt. Nach vollendeter Übung und einer kurzen Wartezeit stand es fest: In der diesjährigen Champions Trophy belegte Fabian Hambüchen, nach dem Russen und dem Japaner, den dritten Platz. In der darauffolgenden Pressekonferenz antwortete Fabian Hambüchen auf die Frage eines Reporters "Über welchen Fehler, am Pauschenpferd bzw. am Reck, er sich denn mehr ärgere", dass er sich über gar nichts ärgere und er den dritten Platz als Erfolg sieht. Nicht zuletzt die Weltmeisterschaft am Vortag, an der Fabian Hambüchen erneut seine Weltklasse unter Beweis stellte, war Grund für diesen dritten Platz. Er war so platt, dass er kaum die Arme hochbekommen hat, gab er den schmunzelnden Reportern bekannt. Alles in allem ist Turnen eine durchaus bewundernswerte Sportart und verlangt absolut diszipliniertes Training. Dies haben Turnen und Triathlon zumindest schon mal sicher gemeinsam. Der neue Modus der "Champions Trophy" hat ebenfalls dazu beigetragen, die Sportart "Turnen" als spannendes und sehenswertes Ereignis anzusehen. Wir freuen uns schon über die nächste Veranstaltung, über die wir natürlich auch wieder hier berichten werden.
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